Die vier Stockwerke des Hauses der Arbeitsfähigkeit

1. Stock – Gesundheit und Leistungsfähigkeit

Gesundheit-1024x768Die physische und psychische Gesundheit bildet eine wesentliche Grundlage für eine gute Arbeitsfähigkeit.

Einschränkungen in der Gesundheit und Leistungsfähigkeit bedrohen immer auch die Arbeitsfähigkeit. Umgekehrt bieten die Förderung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit die Möglichkeit der Förderung der Arbeitsfähigkeit. Eine gute Arbeitsfähigkeit braucht ein stabiles Fundament – das bedeutet, dass es eine gute Arbeitsfähigkeit ohne Gesundheit nicht geben kann.

 

Kompetenz-768x10242. Stock – Kompetenz

Das Erdgeschoss kann die Anforderungen der Arbeit nur dann gut tragen, wenn im 2. Stock eine gute berufsspezifische Kompetenz vorhanden ist. Dies bedeutet, dass die Beschäftigten über ausreichende fachliche und soziale Kompetenzen verfügen müssen und sie diese kontinuierlich im Verlauf ihres Arbeitslebens ausbauen („lebenslanges Lernen“). Die Bedeutung dieses Stockwerks nimmt in einer sich schnell wandelnden Arbeitswelt zu.

In diesem Stockwerk ist neben der konkreten Person die Organisation im Blick. Wie gut unterstützt die Organisation Erwerb und Ausbau der Kompetenzen, die für die zukünftigen Anforderungen und die Entwicklung der Beschäftigten gebraucht werden?

 

3. Stock – Werte, Einstellungen, Motivation

WerteIm 3. Stockwerk sind die Werte untergebracht. Hier wird unterschieden zwischen Einstellungen und Motivationen. Einstellungen prägen unser gesamtes Verhalten und beeinflussen auch, welche Dinge uns motivieren. Für eine gute Arbeitsfähigkeit ist es wichtig, dass die eigenen Einstellungen und Motivationen im Einklang mit der eigenen Arbeit und den dort gelebten Werten sind. Eine Arbeit, die man vor sich selbst nicht gut vertreten kann, ein schlechtes Klima im Team oder eine belastende Führungskultur beeinträchtigen auf Dauer die eigene Arbeitsfähigkeit.

 

4. Stock – Arbeit, Arbeitsumgebung, Führung

Arbeitsumgebung-1-1024x685

Das vierte Stockwerk des Hauses ist das größte und schwerste – es ist die Arbeit selbst. Weil es das oberste Stockwerk ist, drückt es mit seinem Gewicht auf die unteren. Alles, was hier passiert, hat deutliche Auswirkungen auf alle vorher genannten Stockwerke.

Im Stockwerk „Arbeit“ finden sich all die unterschiedlichen Faktoren, die den eigenen Arbeitsplatz zu dem machen, was er ist: Die Arbeitsaufgabe und die daraus entstehenden Anforderungen, das soziale Umfeld mit KollegInnen und Vorgesetzten, die Struktur der Organisation, in der man arbeitet, und die Arbeitsumgebung in Form von z.B. Räumen, Lichtverhältnissen, Mobiliar. Dieses Stockwerk ist in seinem Aufbau sehr komplex, weil es sich aus vielen unterschiedlichen Aspekten zusammen setzt, die eng miteinander verwoben sind.

Eine große Verantwortung in diesem Stockwerk tragen die Vorgesetzten – sie sind in erster Linie für eine gute Arbeitsgestaltung verantwortlich und haben in ihrer Position auch die Möglichkeit, diese durchzusetzen. Gleichzeitig kann eine gute Arbeitsfähigkeit nur dann entstehen, wenn Vorgesetzte und Mitarbeiter konstruktiv zusammenarbeiten. Keiner von ihnen kann allein eine gute Arbeitsfähigkeit bewirken – erst wenn beide ihren Anteil dazu leisten, wird sie möglich. Neben den Vorgesetzten wirken auch Kollegen auf die eigene Arbeitsfähigkeit – im besten Falle unterstützend und fördernd.

Arbeit und persönliches Umfeld / Familie

Zwischen der Welt der Arbeit und der Familie und dem persönlichen Umfeld besteht eine enge Wechselwirkung. Arbeitszeiten können sich massiv auf das Privatleben auswirken. Zufriedenheit und Belastungen im Arbeitsleben werden mit nach Hause genommen und prägen das Privatleben mit.

Umgekehrt wirkt auch der Teil des Lebens, der außerhalb der Arbeit stattfindet, auf die eigene Arbeitsfähigkeit. Familie, Freunde und Bekannte spielen eine wichtige Rolle im eigenen Kräftehaushalt.

1 Gedanke zu “Die vier Stockwerke des Hauses der Arbeitsfähigkeit

  1. Zu erst einmal: Tolle Arbeit von Euch, das AB-Radar Konzept in kurzer, verständlicher und übersichtlicher Form hier darzustellen! Die Seiten sind insgesamt gut gestaltet und geben wesentliche Informationen zum Konzept und seiner Nutzung.

    Nach dem ersten schnellen durchlesen möchte ich einen Hinweise zur Beschreibung der Ebene 3 des Hauses der Arbeitsfähigkeit abgeben:
    Der erste Satz („Ebene 3 steht für die sozialen und moralischen Werte der Beschäftigten“) geht meines Erachtens etwas in die falsche Richtung. So wie ich die Fragen im AB-Personenradar dazu verstehe und wie ich die fachliche Diskussion um die Bedeutung der Werte im Gesundheitsmanagement verstehe (Sozialkapital-Konzept von Prof. Badura) geht es nicht um die Werte der Beschäftigten alleine, sondern um ihre Passung zu den erlebten (!) Werten im Betrieb. Dies ist ein, wie ich finde, wichtiger Unterschied.

    Ich würde daher vorschlagen den Satz wie folgt zu ergänzen: „Ebene 3 steht für die Passung der sozialen und moralischen Wert der Beschäftigten mit der erlebten Werten des Betriebes“.

    Ich schlage weiterhin vor die Beschreibung für Ebene 3 ähnlich zu beenden wie die für Ebene 2 („In diesem Stockwerk ist neben der konkreten Person die Organisation im Blick.“)
    Vorschlag: „In diesem Stockwerk wird erhoben, wie gut die erlebten (!) Werte des Betriebes mit den Werten der Beschäftigten übereinstimmen. Person und Organisation sind im Blick“

    Nach meinem Erleben hat das Konzept der 4 Ebenen hier leider noch eine definitorische Unklarheit, von der ich nicht sicher bin, ob sie in der sprachlichen Differenzierung auch von Herr Prof. Ilmarinen bisher schon ausreichend beschrieben ist.

Schreibe einen Kommentar